Ihr Gutachten

Für einen Vaterschaftstest (oder – allgemeiner – ein Abstammungsgutachten) werden heute praktisch ausschließlich veränderliche Abschnitte der DNA untersucht. Diese Marker liegen im nicht-codierenden Bereich der DNA, sie lassen also keine Rückschlüsse auf Eigenschaften, Anlagen oder auch Krankheiten der untersuchten Person zu. Dafür weisen sie Polymorphismen auf, die Eigenschaft unterscheidet sich also zwischen Personen und unterliegt einem Erbgang. Mit wenigen Ausnahmen besitzt jeder Mensch an jedem dieser Merkmalssysteme (oder Marker) zwei Merkmale, wobei jeweils eines von der Mutter und eines vom Vater stammt.

Wie funktioniert ein Abstammungsgutachten?

Im Gutachten werden nun die Merkmale des Kindes mit denen seiner (fraglichen) Eltern verglichen: Ein Merkmal, das das Kind besitzt, die Mutter jedoch nicht, muss ganz offenbar von seinem Vater stammen. Besitzt der untersuchte Mann dieses Merkmal, spricht dies für seine Vaterschaft, besitzt er es nicht, spricht dies sehr stark gegen seine Vaterschaft.

Normalerweise werden für ein solches Gutachten mindestens 15 Merkmalssysteme untersucht. Das Ergebnis des Gutachtens setzt sich zusammen aus der Betrachtung der einzelnen Marker: Besitzt der Mann in vier oder mehr Merkmalssystemen dasjenige Merkmal nicht, das das Kind von seinem Vater geerbt haben muss, wird er von der Vaterschaft ausgeschlossen.

Besitzt er alle Merkmale, wird eine Vaterschaftswahrscheinlichkeit berechnet, die beschreibt, mit welcher Wahrscheinlichkeit bei der vorgefundenen Merkmalskonstellation tatsächlich eine Vaterschaft vorliegt. Wird ein Grenzwert von 99,99% erreicht oder überschritten, ist seine Vaterschaft praktisch erwiesen.

Welche Besonderheiten können auftreten?

In seltenen Fällen verändert sich eine Eigenschaft bei der Vererbung, man spricht von einer Neumutation. Die Häufigkeit, mit der so etwas passiert, ist bekannt und beträgt immerhin 1-2% für einen typischen Untersuchungsumfang. So etwas kommt also durchaus vor, lässt sich aber bei der Berechnung der Vaterschaftswahrscheinlichkeit problemlos berücksichtigen. Das Vorkommen dieser Neumutationen ist darüber hinaus völlig normal und kommt bei gesunden Personen vor.

Was ist mit Verwandten, die auch als Vater in Frage kommen?

In Gutachten werden Sie häufig den Hinweis finden, dass Rechenwerte nur unter der Voraussetzung gelten, dass kein naher Verwandter (z. B. dessen Bruder, Vater oder Sohn) ebenfalls als Erzeuger in Frage kommt.

Das Problem liegt auf der Hand: Verwandte sind sich auch genetisch ähnlicher als unverwandte Personen. Ein seltenes Merkmal, das Vater und Kind teilen, spricht normalerweise für die Vaterschaft dieses Mannes. Nur: in der Familie des Mannes ist dieses Merkmal u. U. gar nicht selten. Deshalb muss in diesen Fällen die Berechnung der Vaterschaftswahrscheinlichkeit unter Berücksichtigung aller Möglichkeiten (Hypothesen) erfolgen. Hierzu müssen Sie dem Gutachter unbedingt bei der Beauftragung mitteilen, welche möglichen Abstammungsverhältnisse Sie geklärt haben möchten.

Normalerweise wird ein Gutachten die Frage beantworten, ob der Mann oder ein mit ihm nicht verwandter Mann der Vater ist. Sie können diese Fragestellung aber auch erweitern, wenn Sie z. B. angeben, dass auch ein Bruder des Mannes als Vater in Frage kommt. Der Gutachter wird Ihnen dann mitteilen, ob dieser Mann ebenfalls untersucht werden muss oder ob sich möglicherweise auch schon so ein eindeutiges Resultat ergibt (hierfür wird er ggf. mehr Untersuchungen durchführen müssen als im Regelfall).

Welche Fragestellungen sind zu beantworten?

Nutzen Sie unser Beratungsangebot! Viele auch komplexere Stammbäume lassen sich durchaus Erfolg versprechend bearbeiten, z. B.

  • Mutterschaft
  • Vaterschaft ohne Untersuchung der Mutter, wenn diese für die Untersuchungen nicht zur Verfügung steht
  • Großelternschaft (ggf. auch nur ein Großelternteil)
  • Geschwisterschaft (auch Differenzierung Halb-/Vollgeschwisterschaft)
  • Klärung durch Untersuchung von Geschwistern eines Mannes

Für bestimmte Konstellationen können zusätzliche Merkmalssysteme eingesetzt werden, z. B. Marker, die auf den Geschlechtschromosomen X und Y liegen und einen besonderen Erbgang aufweisen oder Marker, die technisch anders nachgewiesen werden. Ihr Einsatz hängt von dem Stammbaum und dem Geschlecht der beteiligten Personen ab. Die Mitglieder des Bundesverbandes kooperieren in Sonderfällen, so dass Sie Zugang zu einem außerordentlichen Spektrum an Analysemethoden haben. Lassen Sie sich beraten!

Was können Sie von dem Gutachten erwarten?

In jedem Fall erhalten Sie ein ausführliches schriftliches Gutachten, das die Identität der untersuchten Personen mit allen erhobenen Untersuchungsbefunden enthält. Immer werden bei den Probenentnahmen entsprechende Protokolle durch eine neutrale Person ausgefüllt. Hierdurch ist das Gutachten jederzeit nachvollziehbar und kann überprüft werden. Jeder Gutachter des BVAG bietet Gutachten an, die von Gerichten und Behörden anerkannt werden.

Wenn Sie sich das Ergebnis nicht erklären können

Fehler sind sehr, sehr selten. Alle Untersuchungen erfolgen in akkreditierten Laboratorien. Da trotz der gesetzlich vorgeschriebenen Qualitätssicherung ganz grundsätzlich niemand zu 100% ausschließen kann, dass nicht doch Fehler bei der Probenentnahme oder zu einem späteren Zeitpunkt aufgetreten sein können, nehmen wir Sie ernst. Sprechen Sie den Gutachter oder den BVAG an, wenn Sie sich das Ergebnis eines Vaterschaftstests nicht erklären können.

Um es vorweg zu nehmen: Praktisch immer bestätigt sich das Ergebnis des Tests. Trotzdem suchen wir mit Ihnen nach Möglichkeiten, Probenentnahme und Untersuchung zu wiederholen, damit Sie dem Ergebnis vertrauen können. Näheres finden Sie auch im Abschnitt Service.

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